Zu Geldstrafe verurteilt

Neo-Nazi Wulff ganz brav vor Gericht

Prozess gegen einen der bekanntesten Rechtsradikalen Hamburgs: NPD-Mann Thomas „Steiner“ Wulff (49) und ein Parteifreund (32) standen am Donnerstag wegen Körperverletzung und Nötigung vor dem Amtsgericht St. Georg. Wulff gibt sich optisch bieder, kommt in Sommerhose und Karohemd ins Gericht, ohne die Ledermütze, die bei Aufmärschen stets auf dem spärlich behaarten Schädel thront. Während des Prozesses wird der Vater von vier Kindern gelegentlich höhnisch grinsen, meist aber finster blicken.

Verhandelt wird ein Vorfall vom 26. Januar 2011. Zusammen mit dem Mit-Angeklagten Kay Ole K. pflasterte Thomas Wulff an jenem Tag den Bezirk Mitte mit 200 Wahlplakaten. Als Helfer ebenfalls dabei: Jan Z. (34), früher mal NPD-Bundestagskandidat. Er musste die Plakate an Laternenpfähle binden.

Am Schiffbeker Weg verbat sich Dennis L. (30) das Anbringen eines Plakates vor seinem Tattoo-Studio. „Ich riss das Plakat ab, warf es zu Boden“, erinnert der Tattoo-Künstler sich: „Da sprang jemand mit einer Axt aus dem Auto und sagte: ,Soll ich dich unhacken?‘“

Der Mann mit der Axt war Kay Ole K. Kurz darauf stieg auch Thomas Wulff (13 Vorstrafen) aus: „Er kam auf mich zu, packte mich am Hintern, rollte mit der Zunge und sagte ,Du bist ja ein ganz Geiler.‘ Dann spuckte er mich an und trat mir in den Unterleib.“
Dennis L. rief die Polizei. Im Auto des Neonazi-Trios fanden die Beamten die Axt. Die Angeklagten bestreiten die Vorwürfe: „Der Zeuge lügt, der will nur drei Nazis in die Pfanne hauen“, erklärt Wulffs Verteidiger Wolfram Nahrath. Der Berliner Anwalt stammt aus einer Nazi-Dynastie, leitete die (inzwischen verbotene) „Wiking Jugend“, die sein Großvater einst gegründet hatte. Nahrath nennt den Tätowierer verächtlich „Gutmensch“ und fordert Freispruch.

Auch Anwalt Andreas Junge fordert Freispruch für den Axt-Angreifer Kay Ole K.: „Mein Mandant hatte das Recht, das Eigentum der Partei zu verteidigen.“ Die Amtsrichterin sieht das anders, verurteilt Wulff zu 90 Tagessätzen à 10 Euro wegen Körperverletzung. Kay Ole K. kassiert 40 Tagessätze à 10 Euro wegen versuchter Nötigung. Beide geben an, nur Mini-Jobs zu haben.

Jan Z., hatte ausgesagt, dass der Tätowierer der Angreifer gewesen sei. Staatsanwältin und Richterin nannten die Aussage des NDPlers „floskelhaft“ und „wie auswendig gelernt“.

http://www.bnr.de/artikel/aktuelle-meldungen/wahlkampfauftritt-mit-folgen