Selbstmordthese nicht erhärtet

Prozeß um Tod von Oury Jalloh: Feuerzeug auf DNA- und Textilspuren untersucht
Von Susan Bonath

Lag das Feuerzeug, das erst zwei Tage später bei den Asservaten auftauchte, während des Brandes in der Dessauer Polizeizelle? Die Antwort auf diese bislang ungeklärte Frage wäre auch die Antwort darauf, ob sich der auf einer Matratze gefesselte Asylbewerber Oury Jalloh im Januar 2005 selbst angezündet hatte – oder ob er ermordet wurde. Die Untersuchungen am Feuerzeug auf DNA- und Textilspuren, auf Antrag der Nebenklage von Sachverständigen des Landeskriminalamts Magdeburg durchgeführt, stellen die offizielle Selbstmordthese am Freitag im Magdeburger Landgericht zumindest in Frage. Angeklagt ist der Polizeibeamte und frühere Dienstgruppenleiter Andreas Schubert wegen »Körperverletzung mit Todesfolge«.

Minimale DNA-Spuren konnte ein hinzugezogener Experte für forensische Biologie zwar feststellen. Allerdings sei »die Wahrscheinlichkeit gering, daß sie von Oury Jalloh stammen«, betonte er. Genaueres zur Herkunft der DNA ließe sich wegen der Hitze, die auf das Feuerzeug eingewirkt hat, nicht sagen.

Der Chemiesachverständige Detlef Hirschfelder wiederum fand nur geringe Rückstände vom Füllstoff der Matratze, auf der Jalloh gelegen hatte. Eigentlich, so der Fachmann, hätte man zwangsläufig Reste vom Bezug finden müssen, wenn das Feuerzeug darauf lag. Hirschfelder hatte das Feuerzeug schon einmal untersucht und wies gegenüber dem Biologen darauf hin, daß er damals nicht mit Handschuhen gearbeitet habe, daß die DNA-Spuren also auch von ihm stammen könnten.

Auch die bei den Analysen gefundenen Textilfasern paßten weder zu Jallohs Bekleidung noch zu ­Materialien aus der Zelle. »Wir haben ausschließlich Polyesterfasern – die am weitesten verbreitete Chemiefaser – gefunden«, sagte die Sachverständige Jana Schmechtig. »Die könnten von überallher stammen.« Jallohs Kleidung habe aus Baumwolle und anderen Fasern bestanden, die damit nicht übereinstimmten. Daß es sich bei den Funden um Matratzenreste handele, schloß Schmechtig aus.

Für Nebenklagevertreter Philipp Napp deuten die Befunde »stark darauf hin, daß das Feuerzeug nicht in der Zelle gelegen hat«, wie er nach der Verhandlung gegenüber jW betonte. Die nächste Verhandlung findet am 9. Juli um 9.30 Uhr vor dem Magdeburger Landgericht statt.