Offener Brief

der Antifa Düren an den Bürgermeister der Stadt Düren und alle im Stadtrat vertretenen Parteien und die regionale Presse.

Betr.: Gedenkveranstaltung 16. November 2012

Hallo!

Die offizielle Gedenkveranstaltung anlässlich des Jahrestages der Zerstörung der Stadt Düren findet alljährlich am 16. November auf dem Kaiserplatz vor dem „Flammenengel“ statt.


16.Nov. 2011: Spontane Verbrüderung von Faschisten und „normalen“ Bürgern vor dem Rathaus Düren: Rene Rothhanns(Faschist) , Frank Servas(Faschist, hat übrigens an der Zusammenrottung der Faschisten am Samstag den 25.08.2012 in Düren teilgenommen) und Walter Löwenkamp(von links nach rechts).

Seit fast zwei Jahren ist bekannt, dass der „Flammenengel“ vor dem Rathaus auf dem Kaiserplatz in Düren, der an die Zerstörung der Stadt erinnern soll, das Werk des Nazi-Künstlers Adolf Wamper ist, der sein Schaffen von 1933- 1945 voll und ganz für den Faschismus und Krieg eingesetzt hat.

Wer war dieser Adolf Wamper?

Adolf Wamper geboren 1911 war vor 1933 für die Kunst bedeutungslos. Mit der Machtübertragung an Hitler und die Faschisten stieg er in die erste Liga auf. Er galt neben seinen Freunden Arnold Breker und Josef Thorak als einer der Vertreter der faschistischen Kunstauffassung und konnte 1936 zwei Eingansreliefs an der Freilichtbühne auf dem Olympiagelände in Berlin ausführen. Die beiden Reliefs verweisen „auf die doppelte Bestimmung der Anlage, für musische Weihespiele (Frau mit Leier und Lorbeer) und vaterländische Feier“. Letzteres wird ausgedrückt durch zwei Männer mit Schwert und Fackel, es sind die Vorläufer von Brekers Statuen in der Reichskanzlei. Auffallend ist, dass bei diesem vom Propagandaministerium beaufsichtigten Werk ein dezidierter NS-Gehalt zu erkennen ist. Für dieses Werk wurde ihm von den Faschisten der Olympia-Orden verliehen. Beim internationalen Kunstwettbewerb der Olympiade erhielt er einen Anerkennungspreis. Von 1933 bis 1945 ist Wamper Mitglied der „Reichskammer der bildenden Künste“. Seit 1933 ist Wamper Mitglied der „NSDAP“. Von Professor Schultze- Naumburg der seit 1930 Mitglied der „NSDAP“ war, zu seinem Freundeskreis unter anderem Hitler, Goebbels und Himmler zählte und seit 1932 für die Nazipartei im Reichstag saß, wurde Wamper eine Professur in Weimar an der Kunsthochschule angetragen, die er annahm. Bedingung war sein Austritt aus der Kirche. Nach vielen offiziellen Aufträgen wurde seine kriegsverherrlichende Skulptur „Genius des Sieges“ 1940 auf der Deutschen Kunstausstellung in München der Öffentlichkeit präsentiert. 1944 wurde Wamper von Adolf Hitler in die gottbegnadete Liste, der für die Nazis wichtigsten bildenden Künstler aufgenommen. Wamper gehörte während der Zeit des Faschismus zur Gruppe der „Künstler im Kriegseinsatz“. Von April bis Juli 1945 befand er sich in amerikanischer Kriegsgefangenschaft . Drei Jahre nach der bedingungslosen Kapitulation Nazideutschlands besorgt sich Wamper einen „Persilschein“ und wird von der Stadt Essen 1948 an der Folkwangschule als Leiter der Bildhauerklasse eingestellt.

Obwohl diese Fakten den Verantwortlichen der Stadt Düren seit Ende 2010 bekannt waren und Antifaschisten aus Düren diese aufgefordert hatten auf den völlig ungeeigneten Ort zu verzichten, wurde am 16. November 2011 die Gedenkveranstaltung wie gehabt vor dem Werk des Nazi-Künstler durchgeführt. Woran sich Abgeordnete aus allen im Stadtrat vertretenen Parteien beteiligten. Der Bürgermeister erwähnte in seiner Rede 2011 zwar kurz, dass es Erkenntnisse gibt, dass Wamper wohl auch für die Nazis gearbeitet habe. Er will aber erst prüfen lassen in wie weit der Künstler Mitläufer war oder mehr und dann Entscheidungen treffen.

Was war aber bei der Faktenlage noch zu überprüfen? Und warum wurde dies nicht schon im Vorfeld getan, denn die Fakten waren ja seit Ende 2010 öffentlich bekannt und eindeutig?

Es sind noch gut 2 Monat bis zum nächsten Jahrestag der Zerstörung Dürens. Die Verantwortlichen scheinen sich aber immer noch nicht entschieden zu haben ob sie sich weiterhin alljährlich vor dem Werk des Nazikünstlers versammeln wollen oder nicht.

Es wird aber höchste Zeit für eine Entscheidung und diese muß eine klare politische sein. Wir fordern deshalb alle Verantwortlichen und Mitglieder des Rates der Stadt Düren auf die Entscheidung für oder gegen die Durchführung der Gedenkveranstaltung vor einem Nazikunstwerk schnellst möglich zu treffen und diese öffentlich zu kommunizieren.

Wir als antifaschistisch eingestellte Menschen sind der Meinung, dass die Gedenkveranstaltung anlässlich der Zerstörung der Stadt vor dem Werk eines Künstlers, der sein Schaffen für Faschismus und Krieg eingesetzt hat und somit mitverantwortlich an ihrer Zerstörung war, nicht akzeptabel ist.

Wir gehen noch einen Schritt weiter: Nazikunst muß aus dem öffentlichen Raum entfernt werden. Sie gehört auf den Müllhaufen der Geschichte.

Übrigens konnte der Nazi-Künstler Wamper nur an dem Wettbewerb für das Mahnmal teilnehmen, weil der von den Faschisten als „überexpressionistisch“ wie auch „kultur-bolschewistisch“ verdammte Künstler Ludwig Gies vom damaligen Museumsdirektor mit fadenscheinigen Gründen aus dem Teilnehmerkreis ausgeschlossen wurde.