Stadt Düren hält an Gedenken vor dem Werk eines Faschisten fest

Der Kulturausschuss der Stadt Düren hat auf seiner Sondersitzung am 25.09.2012, bis auf eine Enthaltung, beschlossen dem Rat der Stadt Düren Folgendes zu empfehlen:

Erstens:

An dem „Flammenengel“, das Werk des Nazikünstlers Adolf Wamper, welches an die Zerstörung der Stadt Düren am 16.November 1944 erinnern soll, wird eine Tafel mit folgendem Text angebracht:

„Bronzeplastik des Bildhauers Adolf Wamper zum Gedenken an die Opfer des Luftangriffs auf die Stadt Düren am 16. November 1944 und die Toten der beiden Weltkriege 1914-1918 und 1939-1945
Das als „Flammenengel“ bezeichnete Mahnmal ging als erster Preisträger aus einem Ideenwettbewerb hervor und wurde nach einstimmigem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung am 16. November 1962 eingeweiht.
Adolf Wamper (1901-1977) war einer der geförderten Bildhauer der NS-Zeit und wurde 1944 in die Liste der „gottbegnadeten Künstler“ des „Dritten Reiches“ aufgenommen. Dies wurde bei der Entscheidung für das Mahnmal nicht hinterfragt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Wamper an die Folkwangschule in Essen berufen und leitete dort die Bildhauerklasse.
Heute setzen wir uns kritisch mit der Symbolik des Mahnmals auseinander. Die fast totale Zerstörung unserer Stadt war auch Konsequenz der verbrecherischen Politik im nationalsozialistischen Deutschland.“

Zweitens:

An dem bisherigen Ort des Gedenkens wird festgehalten.

Drittens:

Am Abend des 16.November 2012 soll es in der Marienkirche in Düren eine Diskussionsveranstaltung zum Thema Wamper und der „Flammenengel“ geben, voraussichtlich ab 19.00 Uhr.

Wir Antifaschisten aus Düren kritisieren diese Empfehlung zutiefst. Sollten die Mitglieder im Rat der Stadt dieser Empfehlung folgen, kündigen wir für Freitag, den 16. November 2012 ab 15.00 Uhr auf dem Kaiserplatz in Düren unseren Protest an.

Wie kritisch sich Düren mit Wampers „Flammenengel“ auseinandersetzt zeigen folgende Fakten, welche sich wohl nicht auf der Tafel wiederfinden werden:

Mit der Machtübertragung an die Faschisten 1933 wurde Wamper Mitglied der „NSDAP“.

Für sein Werk am Berliner Olympiagelände, zwei Plastiken, bei denen ein dezidierter NS-Gehalt erkennbar ist, im Auftrag und unter Aufsicht des Propagandaministeriums bekam Wamper von den Faschisten den Olympiaorden.

Seit 1933 bis 1945 war Wamper Mitglied der „Reichskammer der bildenden Kunst“.

1940 wurde Wampers kriegsverherrlichende Skulptur „Genius des Sieges“ auf der Deutschen Kunstausstellung in München ausgestellt.

Wamper bekam eine Professur an der Weimarer Kunsthochschule unter dem Direktor Paul Schultze-Naumburg, einem eingefleischten Faschisten, der durch seine Mitgliedschaft in der „NSDAP“, sein Reichstagsmandat, Teile seines schriftstellerischen Werkes (Kampf um die Kunst) und mittels seiner Kontakte zur nationalsozialistischen Prominenz, ein aktiver Wegbereiter des Faschismus war. Aufgrund seiner Mitgliedschaft und seiner Funktion als Vorsitzender im „Kampfbund für deutsche Kultur“ war er einer der Mitinitiatoren und Mitverantwortlichen für die Schließung des „Dessauer Bauhauses“ (1932) und für die „Bücherverbrennung“ von 1933. Mit seinem Buch „Kunst und Rasse“ als Vorlagenlieferer der Ausstellung „Entartete Kunst“ von 1937, sowie den entsprechenden Kontakten (Alfred Ploetz, Hans F. K. Günther), seiner Propagierung eines direkten Zusammenhanges zwischen Kunst und Rasse und seinem Verhalten als Direktor der Weimarer Kunsthochschule war Paul Schultze-Naumburg führender Wegbereiter und Mitwirkender der nationalsozialistischen Kulturideologie.

Folglich war Adolf Wamper (1901-1977) nicht „nur“ ein geförderter Bildhauer der NS-Zeit, Adolf Wamper war aktiver Faschist.

Deshalb ist es unter keinen Umständen hinnehmbar, wenn weiterhin an die Zerstörung der Stadt Düren vor dem Werk eines Künstlers erinnert wird, der sich voll und ganz für Faschismus und Krieg eingesetzt hat und mitverantwortlich an der Zerstörung, nicht nur der Stadt Düren, war.

Wir fordern alle Mitglieder im Rat der Stadt Düren auf, sich bei der entscheidenden Ratssitzung gegen die Empfehlung des Kulturausschusses auszusprechen und sich für einen anderen Ort des Gedenkens zu entscheiden.

Da unsere Erwartungen an die Mitglieder im Stadtrat aber diesbezüglich sehr gering sind, wird es wohl nötig sein, das Gedenken 2012 mit Protesten zu begleiten. Wir laden deshalb alle Antifaschisten und Kriegsgegner zur antifaschistischen Kundgebung am Freitag den 16.November 2012 ab 15.00 Uhr auf dem Kaiserplatz in Düren ein.

Mit unserem Protest wollen wir aber nicht nur darauf aufmerksam machen, dass es eine Ungeheuerlichkeit ist, sich nach dem bekannt werden der Fakten über den Künstler Wamper, weiterhin vor dessen Werk zu versammeln, sondern auch drauf hinweisen, dass ausschließlich und nicht auch – wie es im Text formuliert ist, der verbrecherische Raub und Vernichtungskrieg des faschistischen Deutschlands im Interesse und für den Profit auch in Düren ansässiger Unternehmen, die Zerstörung der Stadt Düren zur Folge hatte. Der Krieg, in dem Städte wie Guernica, Coventry, Warschau und viele andere durch die faschistische deutsche Luftwaffe zerstört wurden, kam am 16.November 1944 auch in Düren lediglich zurück an seinen Ausgangspunkt.

Ein weiteres Anliegen unseres Protestes ist, darauf hinzuweisen, dass bis heute keine Konsequenzen aus den vergangenen Ereignissen gezogen wurden. Die einst von vielen zutiefst empfundene Überzeugung und Verpflichtung „Nie wieder Krieg!“ scheint heute kaum mehr von Bedeutung zu sein. Wie weit her ist es mit der mehrheitlichen passiven Ablehnung des Krieges, besonders des Krieges in Afghanistan – warum schlägt diese nicht um in eine aktive, politisch wirkmächtige Zurückweisung der Militarisierung und des Krieges in unserer aller Namen?

Wir leben in einem Land, welches Krieg wieder zu einem Mittel der Politik gemacht hat, wie gehabt im Interesse des Profits einer Minderheit. Es ist das Land, in dem heute ein Mensch, der das Massaker an 142 Männern, Frauen, Jungen und Mädchen in Kundus zu verantworten hat, keinerlei persönliche Konsequenzen erfährt, sondern stattdessen nun zum General befördert wird.

Veranstaltungen wie das Gedenken am 16. November in Düren haben, solange von diesen keine Impulse ausgehen zur grundlegenden Änderung der bestehenden Verhältnisse, lediglich Alibifunktion.

Aus der Geschichte für die Zukunft lernen heißt für uns,

Nie wieder Faschismus!!!
Nie wieder Krieg!!!