Hürtgenwald bleibt Pilgerstätte für Neofaschisten

Am vergangenen Wochenende war die Gemeinde Hürtgenwald erneut Schauplatz einer neofaschistischen Veranstaltung. Die „Russlanddeutschen Konservativen“, ein Zirkel neonazistischer sogenannter „Spätaussiedler“ führten im Raum Hürtgenwald am 20. und 21. Oktober ihre „Jahrestagung“ durch.

Obwohl die Verantwortlichen des Museums „Hürtgenwald 1944 und im Frieden“ als auch Teile der Kommunalpolitik nach Kenntnis der Antifa Düren spätestens seit Freitagabend über die bevorstehende extrem rechte Tagung informiert waren, konnten etwa 15 Teilnehmer/innen – darunter der verurteilte Schweizer Holocaust-Leugner Bernhard Schaub – am Sonntagvormittag ungehindert den Soldatenfriedhof in Vossenack, das angrenzende „Mahnmal“ der „Windhund-Division“ sowie das Museum besuchen.


Zweiter von rechts im weißen Hemd Bernhard Schaub vor dem Museum in Hürtgenwald-Vossenack

Organisiert wurde die Veranstaltung von Johann Thießen aus Hürtgenwald-Brandenberg, der wie der ebenfalls anwesende Andrej Triller (Hattingen) zu den Führungspersonen der „Russlanddeutschen Konservativen“ zählt. Johann Thießen stammt aus der Nachfolgegeneration derer, die mit den Faschisten zusammen unzählige Verbrechen begangen haben, – nicht nur in der Sowjetunion – und führt diese „Tradition“ der Zusammenarbeit mit Faschisten fort, indem er etwa enge Beziehungen zur neofaschistische NPD im Kreis Düren unterhielt. Bei den Kommunalwahlen in Düren 2009 kandidierte Thießen auf Platz 3 der Reserveliste der NPD zum Kreistag. Seit dem Frühjahr ist er Funktionär des „Bundes für Gesamtdeutschland“, einer extrem rechten Splittergruppe. Thießen hält enge Kontakte in die Szene der Holocaustleugner.


Johann Thießen in Vossenack am „Mahnmal“ der „Windhund-Division“

Weiterhin treibt Thießen sein Unwesen im „Bund der Vertriebenen“. Nachdem er von den örtlichen „Vertriebenenfunktionären“ auf Druck der Antifa Düren gemieden und angeblich sogar ausgeschlossen wurde, ist er seit einiger Zeit wieder unter die Fittiche des (BdV) genommen worden. Seit fast einem Jahr ist Thießen Vorstandsmitglied in der Kreisgruppe Aachen-Düren der „Landsmannschaft der Deutschen aus Russland“. Diese „Landsmanschaft“ ist eine von vielen Gruppen unter dem Dach des BdV, zu deren guten Freunden übrigens Dürens Bürgermeister Paul Larue zählt.

Dass Neofaschisten in der Gemeinde Hürtgenwald ungehindert agieren können, verwundert nicht, wenn man sich näher mit Konzeption und Gestaltung des „Ehrenfriedhofes“ und des sogennanten „Museums“ auseinandersetzt. Beide Orten bieten Anknüpfungspunkte für Militaristen und Neofaschisten.

Bereits am 14. Oktober marschierte die ehemalige Wehrmacht in Vossenack auf. Der Zusatz … mahnen zum Frieden“ kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die „Windhunde“ der 116. Panzerdivision die faschistischen Täter sind, die in der Schlacht im Hürtgenwald einzig dazu beigetragen haben, die Vernichtungsmaschinerie in den Konzentrationslagern, das Sterben und die Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg sinnlos zu verlängern.

Für den 18. November steht in Vossenack möglicherweise der nächste extrem rechte Auftritt bevor, wenn „Bürgerliche“ und militante Neonazis sich wieder in gruseliger Koexistenz auf dem Soldatenfriedhof zum gemeinsamen Gedenken beim „Volkstrauertag“ einfinden. Angeführt wird dieser anachronistische Zug von einem Pfaffen und begleitet von Bundeswehrsoldaten die seit längerem wieder grundgesetzwidrig Kriegspartei nicht nur in Afghanistan sind.

Wir AntifaschistInnen setzen uns seit Jahren mit den Vorgängen auseinander und fordern in diesem Zusammenhang regelmäßig die Umgestaltung des Museums, der Kriegsgräberstätte und der öffentlichen Gedenkveransaltung in einem antifaschistischen und antimilitaristischen Sinne. Aus diesem Grund rufen wir in diesem Jahr zu einer Kundgebung unter dem Motto „Nie wieder Faschismus – nie wieder Krieg!“ am 18. November ab 9 Uhr am Soldatenfriedhof in Hürtgen auf. Mehr Informationen zur

Kundgebung: http://vossenack.blogsport.de/

Antifa Düren, 25. Oktober 2012