Ein zweiter Persilschein für Wamper

Am Freitag den 16.11.2012 fand im Papst-Johannes-Haus in Düren ein Diskussionsabend zum “Flammenengel” und dem Künstler Wamper statt. Das Ergebnis dieser Veranstaltung stand offenbar schon fest bevor sie begann. Wurden doch offiziell nur Vertreter eingeladen die sich zum Ziel gesetzt haben die Rolle Wampers in der Zeit des Faschismus zu relativieren. Durch die Einladung war es diesen Vertretern, unter ihnen mehrere Historiker beziehungsweise eine Historikerin, möglich, ihre Sichtweise ausführlicher darzulegen als allen anderen Menschen die an der Veranstaltung teilgenommen haben. Unter den Geladenen war kein Vertreter der Antifa Düren, die durch ihre Beharrlichkeit die Diskussion über den „Flammenengel“ und die Rolle Wampers quasi erzwungen haben. Selbst während der Diskussion wurden Beiträge von Menschen aus der Antifa eingeschränkt.

Während die Geladenen Wamper am Ende der Diskussion, wie zu erwarten war, den zweiten Persilschein ausstellten, sind wir von der Antifa weiterhin der Meinung: Wamper war kein Mitläufer sondern aktiver Faschist.

Deshalb werden wir auch in Zukunft nicht akzeptieren, dass alljährlich vor seinem Werk, an die Zerstörung der Stadt Düren gedacht wird. Daran kann auch die am Freitag den 16.November 2012 angebracht Tafel nichts ändern zumal der darauf formulierte Text die Rolle Wampers in der Zeit des Faschismus in Deutschland relativiert und auch die alleinige Schuld des Faschismus an der Zerstörung Dürens in Frage stellt.

Hier noch einmal die Fakten die auch die Weißwäscher Wampers nicht leugnen konnten:

- Wamper war vor der Machtübertragung an die Faschisten bedeutungslos.

- Wamper war seit 1933 Mitglied der NSDAP.

- Wampers Aufstieg begann mit den Faschisten an der Macht.

- Wamper Austritt aus der NSDAP hat nicht stattgefunden.

- Wamper hat 4 mal auf der Kunstausstellung in München 8 seiner Werke ausgestellt.

- Wamper hat für die Faschisten gearbeitet.

- Wamper war von 33 bis 45 Mitglied der Reichskulturkammer.

- Wamper hat für den SS Brigadeführer Leyers gearbeitet.

- Wamper hat durch die Beziehung zu Leyers an einer Ausstellung in Italien teilgenommen.

- Wamper hat für das Propagandaministerium gearbeitet.

- Wamper hat unter den Faschisten überdurchschnittlich gut verdient.

- Wamper wurde in Hitlers Liste der „Gottbegnadeten Künstler“ aufgenommen.

- Wamper war vom Kriegseinsatz befreit.

- Wamper Kämpfte in der Wehrmacht obwohl er freigestellt war.

- Wamper war in amerikanischer Kriegsgefangenschaft.

- Wamper hat sich nach 1945 zu seiner Rolle von 1933 bis 1945 nicht geäußert.

- Wamper hat sich nie öffentlich vom Faschismus distanziert.

Folgender Fakt wurde von den Weißwäschern und dem Enkel von Wamper nicht bestätigt beziehungsweise widersprochen:

- Wamper hat eine Professur bei Schultze- Naumburg einem Faschisten durch und durch, in Weimar angenommen.

Die Bewertung der aufgezählten Fakten viel, wie ober erwähnt, unterschiedlich aus.

Am Nachmittag fand die ofizielle Gedenkveranstaltung statt. Hier der Text eines Flugblattes, welches während der Veranstaltung verteilt wurde:

16. November 2012

Am 16.November 1944 wurde die Stadt Düren bei einem Angriff englischer Bomberverbände fast völlig zerstört. Auch in diesem Jahr haben sich am Jahrestag der Bombardierung Dürens, Menschen vor dem Rathaus versammelt, um an die Zerstörung der Stadt zu erinnern.

Inhaltliche Ausrichtung der Veranstaltung: „Die Dürener Bevölkerung gedenkt der Opfer des verheerenden Bombenangriffs auf ihre Stadt am 16. November 1944 und aller Opfer von Krieg und Gewalt“. Hiermit werden Tote eines Tätervolkes mit ihren Opfern auf eine Stufe gestellt. Mehr noch, es wird der Eindruck erweckt die Ereignisse vom 16.November 44 seien schlimmer als all die Verbrechen, die von den Deutschen begangen wurden. Dies ist eine Verhöhnung der Opfer!

Seit Jahren findet die Veranstaltung auf dem Kaiserplatz vor dem „Falmmenengel“ statt, der an die Zerstörung der Stadt erinnern soll. Seit zwei Jahren ist bekannt, dass Adolf Wamper der diesen „Flammenengel“ erschaffen hat, sich von 1933 bis 1945 voll und ganz für Faschismus und Krieg eingesetzt hat. Die Antifa Düren fordert seitdem die Verantwortlichen, auf, auf diesen Platz als Gedenkort zu verzichten. Was, wie man sieht, nicht geschehen ist.

An den Flammenengel soll jetzt eine Tafel mit einem Text angebracht werden aus dem wir folgende Passage zitieren möchten „…Adolf Wamper war einer der geförderten Bildhauer der NS-Zeit und wurde 1944 in die Liste er gottbegnadeten Künstler des Dritten Reiches aufgenommen“ Weiter heiß es: „…Die fast totale Zerstörung unserer Stadt war auch Konsequenz der verbrecherischen Politik im nationalsozialistischen Deutschland“. Mit diesem Text wird allerdings der Versuch unternommen die Rolle Wampers zu relativieren.

Was der Text verschweigt:

- 1933 wurde Wamper Mitglied der „NSDAP“. Damit begann sein Aufstieg.

- 1936 gestaltete Wamper im Auftrag und unter Aufsicht des Propagandaministeriums zwei Eingangsreliefs an der Freilichtbühne auf dem Olympiagelände in Berlin Auffallend ist, dass bei diesem vom Propagandaministerium beaufsichtigten Werk ein dezidierter NS-Gehalt zu erkennen ist. Für dieses Werk wurde ihm von den Faschisten der Olympiaorden verliehen. Beim internationalen Kunstwettbewerb der Olympiade erhielt er einen Anerkennungspreis.

- Nach vielen offiziellen Aufträgen wurde seine kriegsverherrlichende Skulptur „Genius des Sieges“ 1940 auf der deutschen Kunstausstellung in München der Öffentlichkeit präsentiert. Wamper war „Künstler im Kriegseinsatz“.

- Wamper bekam vom Leiter der Kunsthochschule in Weimar, Professor Schultze-Naumburg, unter der Bedingung des Kirchenaustritts, eine Professur angeboten, welche er annahm. Schulze-Naumburg war seit 1930 Mitglied der „NSDAP“ , zu seinem Freundeskreis zählten unter anderem Hitler, Goebbels und Himmler. Seit 1932 saß Schultze-Naumburg für die Nazipartei im Reichstag. Schultze-Naumburg war ein aktiver Wegbereiter des Faschismus. Mit seinem Buch „Kunst und Rasse“ war Schultze-Naumburg Vorlagenlieferant der Ausstellung „Entartete Kunst“ von 1937. Mitläufer gehörten mit Sicherheit nicht zu seinen Mitarbeitern.

Diese Fakten machen deutlich, Adolf Wamper war kein Mitläufer sondern ein aktiver Faschist.

Unsere Kritik an der Veranstaltung richtet sich aber nicht nur dagegen, das die Gedenkveranstaltung vor dem Werk eines Nazikünstlers stattfindet sondern auch dagegen, dass mit dieser jährlich stattfindenden Veranstaltung der Eindruck erweckt wird, als würde alles Grauen des Krieges mit dem Bombenangriff auf Düren gleichzeitig beginnen und enden.
Das die faschistische Wehrmacht die ganze Welt in Brand gesetzt hatte und deutsche Bomber lange vor der Zerstörung der Stadt Düren Städte wie Guernica, London Warschau, Coventry, Amsterdam und viele weitere zerstört hatten wurde wenn überhaupt nur am Rande erwähnt. Somit wird die Täter-Opferrolle immer mehr verwischt. Hätte das faschistische Deutschland nicht den zweiten Weltkrieg vom Zaun gebrochen, könnten wir heute noch in der schönen Stadt wohnen, die Düren vor diesem Angriff war. Mit dem Text auf der Tafel, die heute an den Flammenengel angebracht wurde, soll auch dies relativiert werden.

Wir weisen darauf hin, dass ausschließlich und nicht auch – wie es im Text formuliert ist, der verbrecherische Raub und Vernichtungskrieg des faschistischen Deutschlands im Interesse und für den Profit auch in Düren ansässiger Unternehmen, die Zerstörung der Stadt Düren zur Folge hatte. Der Krieg, in dem Städte wie Guernica, Coventry, Warschau und viele andere durch die faschistische deutsche Luftwaffe zerstört wurden, kam am 16.November 1944 auch in Düren lediglich zurück an seinen Ausgangspunkt. Alleinige Urheberschaft das faschistische Deutschland.

Ein weiteres Anliegen unseres Protestes ist, darauf hinzuweisen, dass bis heute keine Konsequenzen aus den vergangenen Ereignissen gezogen wurden. Die einst von vielen zutiefst empfundene Überzeugung und Verpflichtung „Nie wieder Krieg!“ scheint heute kaum mehr von Bedeutung zu sein. Wie weit her ist es mit der mehrheitlichen passiven Ablehnung des Krieges, besonders des Krieges in Afghanistan – warum schlägt diese nicht um in eine aktive, politisch wirkmächtige Zurückweisung der Militarisierung und des Krieges in unserer aller Namen?

Wir leben in einem Land, welches Krieg wieder zu einem Mittel der Politik gemacht hat, wie gehabt im Interesse des Profits einer Minderheit. Es ist das Land, in dem heute ein Mensch, der das Massaker an 142 Männern, Frauen, Jungen und Mädchen in Kundus zu verantworten hat der Bundeswehr Oberst Klein, keinerlei persönliche Konsequenzen erfährt, sondern stattdessen nun zum General befördert wurde.

Veranstaltungen wie das Gedenken am 16. November in Düren haben, solange von diesen keine Impulse ausgehen zur grundlegenden Änderung der bestehenden Verhältnisse, lediglich Alibifunktion.

Wir gedenken am heutigen Tag den Menschen mit jüdischem Glauben die von Düren aus in die Gaskammern deportiert wurden, unter den Augen der Nachbarn von denen die meisten weggeschaut, viele Beifall geklatscht nur ganz wenige sich empört oder gewehrt haben, der Zwangsarbeiter die für den Profit Dürener Firmen schufen musste, der Toten aus dem Kriegsgefangenenlager Arnoldsweiler, den Kommunist_innen und anderen politisch Verfolgten, den Menschen mit Behinderung, den Homosexuellen, den Wehrmachtsdeserteuren, den Opfern des Vernichtungskrieges der Wehrmacht im Osten Europas und allen anderen, die vom Nationalsozialismus verfolgt und ermordet wurden.

Aus der Geschichte für die Zukunft lernen heißt für uns:

- Nie wieder Faschismus- für eine Welt ohne Kriege, Gewaltherrschaft und Waffen!
- Kein Gedenken vor dem Werk eines Nazikünstlers
- Gegen Geschichtsrevisionismus und deutschen Opfermythos