Flüchtlinge kämpfen

»Refugee Revolution Bus Tour« startete am Dienstag in Berlin
Von Alexandra Kimel

Seit nun einem Jahr protestieren deutschlandweit Flüchtlinge gegen die menschenunwürdigen Verhältnisse, in denen sie während ihrer Asylverfahren leben müssen. Auslöser für die Rebellion war der Selbstmord des asylsuchenden Iraners Mohammed R. in einem Würzburger Flüchtlingslager. In der Folge kam es zu diversen Aktionen, darunter dem »Refugee Protest March« von Würzburg nach Berlin im September 2012, einem »Protestcamp« am Oranienplatz in Berlin-Kreuzberg und einem Hungerstreik vor dem Brandenburger Tor. Die Forderungen der Flüchtlinge, alle Abschiebungen zu stoppen, die Residenzpflicht (das Verbot, den behördlich zugewiesenen Landkreis ohne Erlaubnis zu verlassen) abzuschaffen und alle Asyllager zu schließen, wurden jedoch nicht erfüllt.

Deshalb wollen sie nun mit einer neuen Form des Protests weitermachen. Am Dienstag mittag starteten 15 Flüchtlinge in Berlin-Kreuzberg zu einer »Refugee Revolution Bus Tour«. Diese soll über drei Wochen durch die Bundesrepublik gehen und am 20. März wieder in Berlin ankommen. 22 Städte, darunter München, Frankfurt am Main, Köln und Hamburg liegen auf der Route. Die Aktivisten wollen Asylbewerberheime aufsuchen und die dort lebenden Flüchtlinge mobilisieren, »rauszukommen, sich zu solidarisieren, ihre Rechte wahrzunehmen, gegen die menschenverachtenden Zustände in den Lagern aufzustehen«.

Eine andere Gruppe von Flüchtlingsaktivisten will in den nächsten Wochen in rund 75 Unterkünften in Berlin und Brandenburg ebenfalls dazu aufrufen, gemeinsam »die Isolation, das Schweigen und die Angst zu brechen«, erklären Vertreter des Camps vom Oranienplatz am Dienstag in Berlin vor Journalisten. »Die Situation in den Lagern ist schrecklich«, berichtete eine Frau der Initiative »Women in Exile«. »Wir wohnen in Gemeinschaftsräumen, teilen uns mit Männern wie Frauen ein einziges Bad, haben keine Privatsphäre, und das über Jahre hinweg. Oft kommt es zu sexuellen Übergriffen. Wir bekommen Gutscheine für Essen und Kleidung und müssen zu bestimmten Läden gehen, weil nicht alle sie annehmen. Plötzlich haben alle Menschen im Lager die gleichen Sachen an, weil man nur in einen Laden in dem Ort gehen kann.« Kinder könnten oft nicht zur Schule, weil die Lager so isoliert liegen. Manche Menschen warteten über 25 Jahre in derartigen Verhältnissen.

Erklärtes Ziel der Aktionen ist es, über die Lebensumstände der Asylbewerber aufzuklären, um die Verhältnisse zu ändern. Am 23. März wollen alle zusammen ein weiteres Mal auf die Straße gehen.