20 Jahre nach Brandanschlag Demonstranten gedenken der Opfer

Mehr als 200ß Menschen sind am Samstag zu einer Demonstration gegen Rassismus in die Solinger Innenstadt gekommen. Die Polizei sprach schon am Mittag von einer größeren Zahl an Demonstranten, als zuvor von Veranstaltern angemeldet.

Mit der Veranstaltung wollte ein linkes Bündnis verschiedener Gruppen an die fünf Mordopfer erinnern, die am kommenden Mittwoch vor 20 Jahren beim Solinger Brandanschlag
durch vier später verurteilte Faschisten umgebracht wurden.

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Demo nach dem Anschlag

Einen ersten Halt machten die Demonstranten am Solinger Rathaus, wo verschiedene Redner an die Mordopfer von 1993 erinnerten. Vom Rathaus ging es dann später zur Unteren Wernerstraße, wo bis zum 29. Mai 1993 das Haus der türkischstämmigen Familie Genc gestanden hatte. Dort legten die Demoteilnehmer eine Gedenkminute für die Opfer ein.

Am späteren Nachmittag versammelten sich die Demonstranten dann zu einer Abschlusskundgebung auf dem Graf-Wilhelm-Platz. Anschließend gab die linke türkische Gruppe „Yorum“dort ein Konzert.

20 Jahre Mordanschlag in Solingen. Rassismus im Interesse der Herrschenden

Am 26. Mai 1993 beschloß der Bundestag den sogenannten Asylkompromiß – das Recht auf Asyl wurde de facto abgeschafft. Eine rassistische Kampagne aus Politik und bürgerlichen Medien hatte mit dem Slogan »Das Boot ist voll« die entsprechende Stimmung in der Bevölkerung erzeugt. Mit den Stimmen der Regierungskoalition aus Union und FDP und denen der SPD, die in der Opposition saß, wurde der ursprüngliche Artikel 16 des Grundgesetzes geschleift.

Nur drei Tage nach dem Parlamentsbeschluß brannte in Solingen das Haus der Familie Genç. Ums Leben kamen Hülya Genç, neun Jahre alt, Gülüstan Öztürk, zwölf Jahre alt, Hatice Genç 18 Jahre alt, Gürsün Ince, 27 Jahre alt und Saime Genç, vier Jahre alt. Vier junge Neonazis aus der rechten Szene Solingens konnten gefaßt werden – mittlerweile haben alle ihre Haftstrafen abgesessen.

Mevlüde Genç, die bei dem Anschlag drei ihrer Kinder verlor, trauert noch immer. Am Mittwoch nahm sie an einer Gedenkveranstaltung teil.