Neonazigruppe verboten

Bayerns Innenminister geht gegen »Freies Netz Süd« vor

Am Mittwoch hat der bayrische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) die neonazistische Gruppierung »Freies Netz Süd« (FNS) verboten. Zur Begründung hieß es in einer Mitteilung, die Organisation setze »die aggressiv-kämpferischen verfassungsfeindlichen Bestrebungen« der 2004 verbotenen »›Fränkischen Aktionsfront‹ personell, ideologisch, in seinen Zielen und mit seinen Aktionen an deren Stelle fort«. Außerdem bestehe eine »Wesensverwandtschaft mit dem historischen Nationalsozialismus«.

Ab dem frühen Morgen fanden in ganz Bayern Razzien statt. Außerdem wurde das Vermögen des FNS und einzelner Mitglieder eingezogen. Unter anderem das Grundstück und Haus Oberprex 47 in Regnitzlosau im Landkreis Hof, das von der Polizei durchsucht und anschließend beschlagnahmt wurde. Die ehemalige Gaststätte wurde 2010 von der Mutter des FNS-Kaders Tony Gentsch gekauft. Als sogenanntes Nationales Zentrum Hochfranken diente es als Treffpunkt für deutsche und tschechische Neonazis.

Außerdem wurden Gegenstände des von den beiden FNS-Mitgliedern Gentsch und Matthias Fischer betriebenen »Final Resistance Versandes« beschlagnahmt. Dieser befand sich ebenfalls in dem Haus in Regnitzlosau und diente laut Innenminister dazu, »Agitations- und Propagandamaterial zur Verfügung zu stellen und durch den Erlös die Aktionen der Faschisten zu finanzieren«.

Das FNS war ein Zusammenschluß von militanten Neonazis, mit einem Aktionsradius weit über die Grenzen Bayerns hinaus. FNS-Mitglieder waren immer wieder an gewalttätigen Übergriffen auf Linke und Migranten vor allem in Franken beteiligt. Behörden rechneten dem Netzwerk zuletzt rund 20 Gruppen und bis zu 150 Rechte zu. Laut antifaschistischen Recherchen sollen auch Kontakte zum faschistischen Terrornetzwerk »Nationalsozialistischer Untergrund« (NSU) bestanden haben. So stand Fischer auf einer Kontaktliste von Uwe Mundlos.

Die Annahme von Herrmann, daß die Neonaziszene in Bayern »empfindlich« getroffen sei, ist anzuzweifeln. Zwar werden die Faschisten kurzfristig geschwächt, doch haben sie sich mit der Gründung der Partei »Dritter Weg« bereits im September 2013 eine Ersatzorganisation für den nun eingetretenen Fall geschaffen. Das FNS gilt Antifaschisten zufolge nicht nur personell als Träger der faschistischen Partei. (dpa/jW)