Missbrauch der Veranstaltung zum Gedenken an die Reichspogromnacht In Arnoldsweiler

Wie in den vergangenen Jahren auch, versammelten sich am 09.11.2014 ab 19.00 Uhr in Arnoldsweiler ca 20 Personen an der RückriemStele, um an die Reichspogromnacht zu erinnern. Die in der Neusser Straße befindliche Stele erinnert an das in Arnoldsweiler von den Faschisten eingerichtete ehemalige Kriegsgefangenenlager. Die Veranstaltung wurde mit einem Redebeitrag von Herrn Geunich eröffnet, der aus einem Zeitungsartikel vorlas. Jedoch hatte der Inhalt nicht im Entferntesten etwas mit dem Thema des Abends zu tun. Der Inhalt des vorgelesenen Artikels sollte ein Beitrag zum 25. Jahrestag des „Falls der Mauer“ sein. Behandelt hat er die Ereignisse am 13.August 1961 ohne jedoch folgende Tatsachen zu erwähnen:

An diesem Tag sicherte die DDR ihre Staatsgrenze. Die Mauer war wohl das hässlichste und zugleich wichtigste Bauwerk, das die DDR jemals errichtet hat. Sie trug entscheidend dazu bei, dass zwischen 1961 und 1989 in Europa Frieden herrschte. Der damalige Präsident der USA, John F. Kennedy ist durch die Ereignisse nicht in Panik geraten, wie viele Bonner Politiker mit Nazivergangenheit,und bemerkte nüchtern: „Die Mauer ist nicht schön, aber besser als Krieg.“ Tatsächlich stand Europa damals am Abgrund eines bewaffneten Konflits der Staaten beider Weltsysteme, der unweigerlich unter Einsatz von Kernwaffen ausgetragen worden wäre. Der damalige Kriegsminister Strauß hielt in seinen Memoiren fest, er sei vom Pentagon ersucht worden, „für einen nuklearen Erstschlag geeignete sowjetische Objekte auf dem Territorium Ostdeutschlands“ auszuwählen. Dies war allerdings nicht der Inhalt des Beitrags von Herrn Geuenich.

Den zweiten Redebeitrag, den der Ortsvorsteher von Arnoldsweiler hielt, behandelte dann die Reichspogromnacht.

Mann kann von den Ereignissen am 13.August 1961 halten was man will, aber dieses Thema im Zusammenhang mit der Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht anzusprechen wie dies Herr Geuenich getan hat, ist nicht nur geschmacklos, sondern eine Verhöhnung aller Opfer des Faschismus und die Relativierung der Verbrechen des deutschen Faschismus und ein Missbrauch der Veranstaltung.

In diesem Rahmen wäre es sicherlich angebrachter gewesen darüber zu reden, wofür die Stele in der Neusser Straße in Arnoldsweiler steht. Nämlich für das dort in unmittelbarer Nähe vom März 1940 bis Dezember 1944″ betriebene Strafgefangenenlager VI H“, in welchem vor allem polnische, französische und sowjetische Kriegsgefangene inhaftiert waren. Insgesamt sind 9.200 Kriegsgefangene in der gesamten Bestandszeit des „Stalag“ inhaftiert gewesen. Das System der Strafgefangenenlager diente jedoch nicht nur der Inhaftierung von gefangenen feindlichen Soldaten, sondern wies der deutschen Wirtschaft, die einen Mangel an Arbeiterinnen und Arbeitern hatte, die Kriegsgefangenen als Arbeitskräfte zu. In Düren arbeiteten die Kriegsgefangenen in Metallwerken, Maschinenbaufirmen, Hüttenwerken und in der in Düren ansässigen Zuckerindustrie und anderen Firmen. Jedoch war diese Arbeit in erster Linie den französischen Kriegsgefangenen vorbehalten während die osteuropäischen Kriegsgefangenen vor allem für die nicht nur harten, sondern auch gefährlichen Aufräumarbeiten nach und während des alliierten Bombardements eingesetzt wurden. Neben dieser harten und gefährlichen Arbeit ist auch die Behandlung der osteuropäischen Gefangenen durch die deutschen Wehrmachtssoldaten im „Stalag VI H“ zu bemerken, die nicht nur menschenverachtend, sondern auch für 1600 Strafgefangene nach Krankheit und Erschöpfung tödlich endete. Das die osteuropäischen Gefangenen so schlecht behandelt wurden war dabei kein Zufall, sondern ein direkter Befehl des Oberkommandos der Wehrmacht und somit kaltblütig kalkulierte Politik des Nazi-Regimes.

Übrigens haben sich die wenigsten Firmen, die sich durch Zwangsarbeit bereichert haben, nach 1945 ihrer Verantwortung gestellt, geschweige denn Entschädigungen gezahlt.

Das Thema Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene wurde am 9.11.2014 in Arnoldsweiler im Rahmen der Gedenkveranstaltung mit keinem Wort erwähnt.

Wir werden am 16.November 2014 im Zusammenhang mit dem „Volkstrauertag“ mit einer Kranzniederlegung und einem Redebeitrag dieses Thema aufgreifen und an die Opfer des Faschismus erinnern. Zuvor werden wir gegen das reaktionäre zentrale Gedenken an deutsche Täter in Hürtgen protestieren. Dort gedenken seit Jahren Kirchenvertreter, Politiker, Bundeswehrangehörige und Faschisten der Toten der Wehrmacht, unter den Toten auch SS- Angehörige und der Generalfeldmarschall Model, der sich durch Selbstmord seiner für begangene Kriegsverbrechen gerechten Strafe entzog.

Wir rufen auf, am 16. November 2014 erst in Vossenack gegen das reaktionäre Gedenken an deutsche Täter zu protestieren und danach in Arnoldsweiler den tausenden Opfern des „Stalag VI H – Arnoldsweiler“ zu gedenken. Treffpunkt zur gemeinsamen Fahrt nach Hürtgen um 8.00 Uhr am Bahnhof Düren