Weihnachten 2014

Des deutschen Volkes Weihnachtsbaum

wen die Glocken wieder Eintracht bammeln,
Sieht man den Regierungsweihnachtsmann
Seine Lieben um sich her versammeln;
Und die heben sanft zu singen an:
„Wer hat dich , du schöner Weihnachtsbaum,
Aufgebaut hoch droben?“
Ein Choral braust durch den Raum:
„Laßt uns die Regierung loben!“

Und nun drängeln sich die Vaterländler,
Vorneweg der Herr von Schlot und Halm,
Fürsten, Pensionäre, Dividendler;
Und sie singen einen Dankespsalm:
Heil dem deutschen Weihnachtsmanne,
der an seine Lieben denkt!
Jedem hat er an die Tanne
Ein Geschenk nach Wunsch gehängt!“

Aber draußen, vor den hellen Fenstern,
Steht das Volk, das nicht hinein gehört,
Weil es sonst den respektablen Wänstern
Die intime Weihachsstimmung stört.
Und die reich Beschenkten denken:
Wozu glotzt der Menschenschwarm?
Auch dem Volke was zu schenken,
Dazu sind wir doch zu arm!“

Doch das Volk bestaunt die guten Gaben,
Denkt: „ Was die da an die Zweige tun,
Ist ja, was sie uns gestohlen haben!
Und damit bescheren sie sich nun!
Kurze Zeit ihr Speckgesichter,
Und es rüttelt am Portal!
Unser Sturm verlöscht die Lichter,
Und wir stehn bei euch im Saal!“

Erich Weinert (1931)

Die Legende von den heiligen drei Königen:

In der sozialistischen Illustrierten Beilage „Volk und Zeit“ (SPD), die allen sozialistischen Zeitungen beigelegt wird, fand sich in der Ausgabe vom 20.Dezember 1930 folgendes Gedicht:

Die Legende von den heiligen drei Königen

„Wir sind die drei Weisen aus dem Morgenland,
die Sonne, die hat uns so schwarz gebrannt.
Unsere Haut ist schwarz, unsere Seel ist klar.
Doch unser Hemd ist besch… ganz und gar
Kyrie eleison

Der erste trägt eine lederne Hos,
der zweite ist gar am A… bloß
der dritte hat einen spitzen Hut,
auf dem ein Stern sich drehen tut.
Kyrie eleison

Der erste hat den Kopf voller Grind,
der zweite ist ein unehelich Kind,
der dritte nicht Vater , nicht Mutter preist,
ihn zeugte wahrscheinlich der heilige Geist.
Kyrie eleison

Der erste hat einen Pfennig gespart,
der zweite hat Läuse in seine Bart,
der dritte hat noch weniger als nichts,
er steht im Strahl des göttlichen Lichts.
Kyrie eleison

Wir sind die heiligen drei Könige.
Wir haben Wünsche nicht wenige.
Den ersten hungert, dem zweiten dürst
der dritte wünscht sich gebratene Würst.
Kyrie eleison

Ach schenkt den armen drei Königen was.
Ein Schöpflöffel aus den Heringsfass.
Verschimmelt Brot, verfaulter Fisch,
da setzen sie sich noch fröhlich zu Tisch.
Kyrie eleison

Wir singen einen süßen Gesang
den Weibern auf der Ofenbank.
Wir lassen an einem jeglichen Ort
einen kleinen heiligen König zum Andenken dort
Kyrie eleison

Wir geben euch unsern Segen drein,
gemischt aus Kuhdreck und Rosmarein.
Wir danken für Schnaps und für Bier.
Andres Jahr, um diese Zeit, sind wir wieder hier
Kyrie eleison

Von Alfred Henschke, genannt Klabund. (1930)

Der Inhalt dieses harmlosen Gedichtes wurde sogar im Preußischen Landtag diskutiert und schon haben die permanenten Umfaller in der SPD die Veröffentlichung in SPD Blättern bedauert.