Konfliktforscher sieht rechtsextreme Terrorgefahr :

„Sie meinen, die Volksmeinung zu vollstrecken.“

Extremismusforscher Andreas Zick warnt vor einer neuen Terrorgefahr. Der Bielefelder Forscher sorgt sich wegen der zunehmenden Angriffe auf Flüchtlingsheime. Das sei eine neue Entwicklung, die sich nicht nur gegen Ausländer und Flüchtlinge richte.

„Das sind nicht nur lokale, einzelne Verirrte die da zuschlagen, sondern das ist eine Bewegung, und im Namen der Bewegung wird auch angegriffen“, sagt Andreas Zick: Für den Leiter des Instituts für inderdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung an der Universität Bielefeld suchen die Täter den bewussten Rechtsbruch, um ein anderes Rechtssystem umzusetzen. Sie wollten ein Zeichen gegen Demokratie und gegen Politik setzen***, so Zick. „Insofern müssen wir auch über die Entwicklung einer terroristischen Bewegung reden, wenn das so weitergeht“, so der Konfliktforscher. Im Jahr 2014 haben die Angriffe auf Flüchtlingsheime zugenommen. 153 Straftaten hat die Polizei bundesweit gezählt, fast dreimal so viele wie 2013 und sechsmal so viele wie 2012.

Das Internet als Nährboden

Dabei spiele das Internet eine riesige Rolle, so Zick: „Das Internet dient zur Rekrutierung, das Internet ist praktisch ein paralleles Nachrichtenmedium, wo organisiert wird und sich Gemeinschaften bilden.“ Die Propagierung eines eigenen Rechtssystems sei auf vielen Webseiten zu lesen, sagte der Extremismusexperte. Menschenfeindliche Einstellungen würden vor allem dann in die Tat umgesetzt, wenn die Täter meinten, ihr Umfeld stimme zu. Die Täter bezögen sich auf weit verbreitete menschenfeindliche Meinungen und Vorurteile. „Es ist eigentlich so, dass sie meinen, die Volksmeinung zu vollstrecken und ihre Community die Wahrheit gepachtet hat“, so Zick. Bereits vor einem Jahr hat das Bielefelder Institut in einer Umfrage festgestellt, dass fast die Hälfte der Befragten der Meinung sind, Asylbewerber würden in ihrer Heimat nicht verfolgt.

Gewalt gegen Flüchtlinge und Helfer

Die Gewalt richtet sich gegen die Flüchtlinge. Es reicht aber auch schon, dass die Menschen wie Fremde von den Tätern eingeschätzt würden, so Zick. Außerdem stünden im Fokus auch alle, die sich für eine menschenwürdige Unterbringung einsetzen. Doch gerade die Menschen sind wichtig, um gegen die zunehmende Fremdenfeindlichkeit vorzugehen. Zick fordert, Initiativen zu stärken, die sich für Flüchtlinge einsetzen.

***Anmerkung: Jüngste Äußerungen aus den Reihen der CSU zeigen deutlich, dass die Gewalttäter und Brandstifter nicht nur meinen dass sie die Volksmeinung vollstrecken sondern sich auch durch diese Aussagen ermutigt fühlen.