Mit zivilem Ungehorsam gegen Abbaggerung

Ab Freitag wollen Aktivisten im Rheinischen Braunkohlevier Förderanlagen blockieren
Von Jana Frielinghaus

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Ausstieg aus Braunkohle überfällig

Es erfordert Mut, und es könnte teuer werden. Vom 14. bis 16. August werden im rheinischen Braunkohlerevier nahe Köln mehrere hundert Menschen, vielleicht auch viel mehr, unter dem Motto »Ende Gelände!« gegen die Förderung des fossilen Brennstoffs demonstrieren. Aber nicht nur das: Etliche Aktivisten wollen darüber hinaus ganz praktisch den Betrieb im Tagebau Garzweiler II lahmlegen. Dass das geht, haben einige bereits im Juli im Fördergebiet Hambach bewiesen, als sie Schaufelradbagger in 70 bis 90 Metern Höhe besetzten oder sich an Förderbänder ketteten.

Es gehe darum, »einen unumkehrbaren Klimawandel zu verhindern«, heißt es im Aufruf zum Aktionswochenende. Und weiter: »Wir haben es satt, tatenlos zuzusehen, wie die Lebensgrundlage von immer mehr Menschen weltweit zerstört wird und wie sich die krassen sozialen Ungleichheiten auf Grund des Klimawandels deutlich verschärfen.« Bereits vor knapp einer Woche hat in Lützerath nahe dem Tagebau Garzweiler II das alljährliche Klimacamp begonnen. Leute, die sich an den Protesten dieses Wochenendes beteiligen wollen, können dort ebenfalls ihre Zelte aufschlagen.

»Ende Gelände!« ist ein Bündnis aus Antiatom- und Antikohlegruppen, vielen Bürgerinitiativen, größeren Umweltorganisationen und anderen Gruppen. Nach seinen Angaben werden von den Tagebauen und Kraftwerken im Rheinland die größten Kohlendioxidemissionen in Europa verursacht. Der Abbau ist dort noch 45 Jahre lang erlaubt. Insgesamt 14 Ortschaften mussten den Tagebauen bereits weichen, und der Hambacher Forst, ein 12.000 Jahre alter Wald mit einer Größe von ursprünglich 5.500 Hektar, wird trotz anhaltender Proteste immer weiter gerodet. Heute sind nur noch rund 1.100 Hektar erhalten.

Ende Juli hatten sich zahlreiche Umwelt- und andere Verbände öffentlich solidarisch mit den geplanten Aktionen des zivilen Ungehorsam erklärt, darunter das globalisierungskritische Netzwerk ATTAC, der Bund für Umwelt und Naturschutz BUND, das Kampagnennetzwerk Campact und Robin Wood. »Ende Gelände!« sei ein »aufrüttelndes Signal zum Ausstieg aus einer zerstörerischen Technologie, für den globalen Erhalt der Umwelt und für gelebte Solidarität mit unseren Mitmenschen weltweit«, heißt es im gemeinsamen Schreiben der Organisationen. Darin wird auch die Rücknahme der geplanten »Kohleabgabe« für die ältesten und »dreckigsten« Kraftwerke scharf kritisiert. Die Unterzeichner seien »erschüttert über diese Politik und die existentielle Gefährdung von weltweit Millionen Menschen durch den Klimawandel«.

https://ende-gelände.org

http://www.klimacamp-im-rheinland.de/