Berlin: Demonstration in Gedenken an Silvio Meier

http://www.jungewelt.de/serveImage.php?id=76705&type=l&ext=.jpg

Berlin. In Berlin gedachten Menschen am Sonnabend anlässlich seines Todestages des ermordeten Antifaschisten Silvio Meier, der 1992 im U-Bahnhof Samariterstraße von Neonazis erstochen wurde. Bei einer Mahnwache erinnerten etwa 100 Menschen an seinen couragierten Einsatz gegen rechts und riefen dazu auf, sich auch heute Rassismus entgegenzustellen. Danach schlossen sich mehr als 2.000 Personen der jährlich stattfindenden Silvio-Meier-Demonstration an.

Diese führte erstmals nicht durch den Bezirk Friedrichshain, in dem Silvio Meier gelebt hatte und ermordet wurde, sondern unter dem Motto »Stoppt die rassistischen Brandstifter« mit Marzahn-Hellersdorf durch einen Außenbezirk der Hauptstadt, in dem etliche Neonazis wohnen. In den vergangenen Monaten gab es dort Brandangriffe auf die beiden Flüchtlingsunterkünfte im Bezirk, wöchentlich sammelt sich ein Mob von sogenannten besorgten Bürgern zusammen mit stadtbekannten Neonazis vor einem der Heime, um gegen die Flüchtlinge zu hetzen. Mit der Aktion sollten nach Angaben des veranstaltenden Bündnisses nicht zuletzt unter Beteiligung lokaler Gruppen dortige antifaschistische Strukturen weiter gefestigt und in ihrem Kampf unterstützt werden.

So stand in den Redebeiträgen neben dem Andenken an Silvio Meier und andere Opfer rassistischer und faschistischer Gewalt die Situation derjenigen, die in Deutschland Schutz suchen, im Vordergrund. So machte beispielsweise die »Radikale Linke Berlin« auf den Zusammenhang von Vertreibung und Kapitalismus aufmerksam, in dessen Licht auch die Asylrechtsverschärfungen der vergangenen Wochen gesehen werden müssten. »Die USA, die EU und speziell Deutschland sind keine Opfer der Flüchtlingsströme, sie sind deren Hauptverursacher. Sie sind die maßgeblichen Gestalter einer Weltordnung, in der es darum geht, Wirtschaftszonen auszubauen, wirtschaftliche Interessen durchzusetzen oder schlicht Macht zu demonstrieren«, hieß es dort. Außerdem wurde auf den Wiederbeginn der rassistischen Montagsdemonstrationen im Bezirk hingewiesen und zu Gegenprotesten aufgerufen.

Die Demonstration wurde von einem starken Polizeiaufgebot begleitet. Die Teilnehmer mussten schon beim Eintreffen Leibesvisitationen über sich ergehen lassen. »Während für eine antirassistische Demo scheinbar unbegrenzt Polizisten bereitstehen, um diese zu schikanieren, lässt man den braunen Mob oftmals ungebremst wüten. Damit ist klar, wie sich der Staat in der Auseinandersetzung positioniert«, kommentierte dies Jona Rage vom Demobündnis. (cwr)

Weitere Infos: hier