Stellvertreterkrieger des Tages:

Fußballschläger

Die Behauptung, internationale Fußballwettkämpfe seien »fröhlich-friedliche Feste«, wird den Veranstaltern hoffentlich diesmal quer im Halse steckenbleiben. Wenn schon der Auftakt der EM etwas gezeigt hat, dann dies: dass Fußball der Schauplatz ist, auf dem nationale Konkurrenz symbolisch ausgetragen wird – und bei dieser Gelegenheit genau die niedrigen Instinkte bedingungsloser Identifikation mit der nationalen Gemeinschaft eingeübt werden, ohne die auch kein richtiger Krieg geführt werden kann. Daher auch die Anziehungskraft des Fanmilieus für organisierte Rechte wie jene deutschen Fans, die mit der Reichskriegsflagge des Kaiserreiches durch das im Ersten Weltkrieg von Deutschland besetzte Lille zogen und – etwas gegen die aktuelle Konjunktur – sich mit ukrainischen Fans schlugen.

Zu skurrilen Weiterungen führte die politische Inkorrektheit dieser Prügelei im ukrainischen Internet. Dort wurden Russen als Drahtzieher enttarnt. Unklar blieb, wie sie sich unter die eine oder andere Seite gemischt hatten: Waren die Ukrainer in Wahrheit blau-gelb verkleidete russische Militärkadetten oder die deutschen Fans, die ihr Mütchen an den Ukrainern kühlten, eigentlich Russlanddeutsche?

Mystifikationen gab es auch rund um die russischen Fans, die sich in Marseille mit englischen Schlachtenbummlern schlugen. Die russisch-ukrainische Seite antifashist.com behauptete, die »Russen« seien in Wahrheit vom »Rechten Sektor« gewesen, mit einem zypriotischen Fischerkahn nach Marseille geschippert, um als Russen verkleidet das Land zu diskreditieren. Das ließ rusvesna.su nicht auf sich sitzen. Dort argumentierte man geopolitisch: Die Ereignisse lehrten, wie richtige russische Burschen den versoffenen Engländern zeigten, was eine Harke ist. Die NATO könne sich schon mal warm anziehen. Schon Goya wusste es: der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer. (rl)

Beim Profifussball ging es noch nie um Sport, sondern immer nur um Geld und aufgeputschten Nationalismus. Die meisten Reporter im Fußball, erinnern deshalb auch eher an Kriegsreporter als an Reporter die über eine sportliche Veranstaltung berichten.

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Mir Reichskriegsflagge und Hitlergruß in Lille

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Hitlergruß auf der „Fanmeile“ in Berlin