Laienpredigerin des Tages: Ursula von der Leyen

Von Horsta Krum

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So sahen Teilnehmer einer Anti-NATO-Demonstration am Mittwoch in Brüssel die deutsche Verteidigungsministerin
Foto: Kay Nietfeld/dpa

Am Mittwoch abend spielte die Big Band der Bundeswehr zum Auftakt des Evangelischen Kirchentages auf dem Berliner Gendarmenmarkt auf und eroberte die Herzen musikbegeisterter Besucher. Am heutigen Freitag nun wird Militärbischof Sigurd Rink in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche einen Gottesdienst vor ausgewählten Vertretern von Politik, Kirche und Militär abhalten. Die Predigt wird Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen persönlich halten. Trennung von Staat und Kirche? Davon ist bestenfalls im Grundgesetz die Rede. In der Realität machen beide Institutionen gemeinsame Sache, gerade wenn es um die Rechtfertigung von Kriegseinsätzen geht.

Bei der Ortswahl für die Veranstaltung mag das Attentat eine Rolle gespielt haben, das am 19. Dezember auf den Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz verübt wurde, auf dem die Gedächtniskirche steht. Ein Militärgottesdienst in Anwesenheit von Bischof und Ministerin könnte auch als eine Demonstration von Stärke gedacht sein.

Bundeswehr und Kirche haben das gleiche Problem: Es fehlt ihnen an Personal bzw. Beitragszahlern und an breiter Akzeptanz. Die Kirche versucht, Menschen mit Events wie dem Kirchentag zu begeistern, dennoch geht die Mitgliederzahl Jahr für Jahr zurück. Die Streitkräfte brauchen dringend Offiziere und Rekruten. Doch trotz clever gemachter Werbung und zahlreicher Auftritte auf Messen und Volksfesten will es ihnen nicht gelingen, in der »Mitte der Gesellschaft« anzukommen. Die Verflechtung mit der Bundeswehr verschafft der Kirche materielle Vorteile und politische Akzeptanz. Die Truppe wiederum gewinnt an Seriosität, wenn sie wenigstens in der Mitte der Kirche ankommt. Und sie braucht die Kirche, um die Moral der Truppe zu stärken, im Inland und besonders bei Auslandseinsätzen, wenn Soldaten ihr Leben riskieren und nach dem Sinn ihres Tuns fragen.

Gegen Bundeswehr auf dem Kirchentag

Auf dem Evangelischen Kirchentag in Berlin und Wittenberg tritt auch die Bundeswehr auf. Dagegen protestierten am Mittwoch 14 Bremer Theologinnen und Theologen mit folgender Erklärung:

Die von Verteidigungsministerium und Bundeswehr betriebene Militarisierung des öffentlichen Lebens erfasst immer mehr die verschiedensten Lebensbereiche, auch die der Kirche. Das macht der jetzt stattfindende 36. Evangelische Kirchentag in Berlin und Wittenberg deutlich. So spielt am Eröffnungsabend die Big Band der Bundeswehr, und die Bundesministerin für Verteidigung, Ursula von der Leyen, hält die Predigt eines repräsentativen Militärgottesdienstes in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, deren Eingänge von der Militärpolizei bewacht sein werden.

Parallel zum Kirchentag wird auf der »Weltausstellung Reformation« in Wittenberg das Objekt »Café Friedenswege« durchgeführt. Es wird veranstaltet von der »Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden« (AGDF) und der »Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden« (EAK), zusammen mit der »Evangelischen Seelsorge in der Bundeswehr«, deren Seelsorger vom Staat finanziert werden. Das bedeutet, dass die Bundeswehr über die Militärseelsorge in Teile der kirchlichen Friedensbewegung eindringt.

Wir Bremer Theologen protestieren gegen diese militärischen Auftritte in kirchlichen Veranstaltungen, die dem christlichen Friedensauftrag widersprechen und ihn unglaubwürdig machen.


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