Hitlergruß beim KSK?

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen »Kommando Spezialkräfte« der Bundeswehr

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»Kronjuwelen der Bundeswehr« – wird das mutmaßlich verfassungsfeindliche KSK vollständig aufgelöst werden?
Foto: Uli Deck/dpa

Nach Recherchen des Journalistennetzwerks »Y-Kollektiv« hat das »Kommando Spezialkräfte« (KSK) der Bundeswehr ein Fest mit euphorischen Hitlergrüßen, mitgegröhltem Liedgut der Rechtsrockband »Sturmwehr« sowie Kampf- und Sexspielen gefeiert. Für den Abschied des Kompaniechefs des KSK am 27. April sollen etwa 60 Soldaten in Calw nahe Stuttgart die Ausschweifung geplant und durchgeführt haben.

Die Berichte berufen sich dabei auf eine Zeugin, die mit Soldaten der Einheit näher bekannt ist. Bei dem Sauf- und Sexgelage, zu dem sie eingeladen wurde, sollte sie als »Hauptpreis« auftreten und mit dem Kompaniechef Geschlechtsverkehr haben; die Einladung hatte sie angenommen und war zu den Abschiedsfeierlichkeiten auf dem Schießplatz der Truppe angereist. Dort angekommen, sei sie jedoch von der dort gezeigten rechten Gesinnung überrascht worden – und wandte sich danach an Journalisten.

Nach Angaben der Redaktion des TV-Magazins »Panorama« (NDR) hat die Bundeswehr bereits einige der Vorwürfe der Zeugin implizit bestätigt: Zeit, Ort und Teile des Ablaufs der Veranstaltung sind demnach von der Zeugin korrekt wiedergegeben worden. Einzig Hitlergrüße und Nazirock wollten Bundeswehr-Sprecher am Donnerstag nicht bestätigen, wählten dafür die Formulierung, dass die offen verfassungsfeindlichen Vorgänge »in Wort, Bild und Tat« nicht bestätigt seien. Wobei ein Soldat der Truppe, mit dem die Zeugin nach dem Gelage nochmals schriftlichen Austausch im Internet gehabt haben soll, diese Handlungen zumindest implizit bestätigt haben soll. Nachdem die Vorwürfe durch die Medien gegangen waren, leitete die Staatsanwaltschaft Tübingen am Donnerstag Ermittlungen gegen das KSK ein.

Das KSK war 1996 für Spezialaufträge in Krisen- und Kriegsgebieten gegründet worden und operiert unter Geheimhaltung. Auch der Bundestag hat de facto kein Informationsrecht über die Truppe. Das KSK war in den zurückliegenden zwanzig Jahren in Afghanistan und im früheren Jugoslawien eingesetzt worden. (jW)


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