Polizeifan des Tages:

Hauptpastor Röder
Von Kristian Stemmler

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Foto: Christian Charisius/dpa

»Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat«, schrieb Paulus im Römerbrief. Für die evangelische Kirche hierzulande war dieser Satz schon immer bindender als, sagen wir mal, die zehn Gebote. In Nibelungentreue stand die Geistlichkeit, von wenigen Ausnahmen abgesehen, an der Seite des Naziregimes, allen Verbrechen dieser Bande zum Trotz. Natürlich leben wir heute in anderen Zeiten, aber eines hat sich nicht geändert: Die Mächtigen können sich auf die Protestanten verlassen.

Unvergessen, wie sich evangelische Pastoren an die Spitze derer setzten, die eine deutsche Beteiligung beim Überfall der NATO auf Serbien 1999 als moralische Verpflichtung darstellten. Es versteht sich von selbst, dass man auch bei Veranstaltungen wie dem G-20-Gipfel Anfang Juli in Hamburg an der Seite der Truppe stand. Ein ganzes Dutzend evangelischer Polizeiseelsorger hielt sich bereit, um Einsatzkräften, die nach ihren Prügelorgien am Hafenrand und anderswo das Gewissen plagte, die Beichte abzunehmen.

An Hamburgs Hauptkirche St. Michaelis, als Michel bekannt, setzte man jetzt noch eins drauf. Hauptpastor Alexander Röder lud am sogenannten Tag der Deutschen Einheit Polizisten, die beim Gipfel eingesetzt waren, zum Orgelkonzert ein. »Dank und Anerkennung« solle das ausdrücken, sülzte Röder laut Hamburger Abendblatt vom Freitag.

Im Jahr 2004 erklärte die »Konferenz Evangelischer Polizeipfarrerinnen und Polizeipfarrer«, dass »friedliches gesellschaftliches Zusammenleben aufgrund der Sündhaftigkeit des Menschen ohne eine autorisierte Ordnungsmacht nicht möglich« sei. Diese Aufgabe komme »der an Recht und Gesetz gebundenen und politisch kontrollierten Polizei« zu. Nun, bei G 20 war die Polizei weder das eine noch das andere.


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