Gedenken heißt kämpfen

Luxemburg, Liebknecht und die »Freiheit der Andersdenkenden«. Tausende Menschen zog es auch in diesem Jahr zur Gedenkstätte der Sozialisten

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Avantgarde am Frankfurter Tor: Kommunisten der DKP führten den Zug an
Foto: Po-Ming Cheung

Die Gedenkstätte der Sozialisten im Berliner Stadtteil Friedrichsfelde ist auch nach fast einem Jahrhundert ein magischer Ort. Denn mehr als zehntausend Menschen zog es auch am Sonntag zu dem Friedhof, auf dem Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg und zahlreiche weitere deutsche Arbeiterführer ihre letzte Ruhestätte fanden. 99 Jahre nach ihrer Ermordung am 15. Januar 1919 gedachten sie der beiden Führer der damals neugegründeten Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD).

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Rot dominierte an der Gedenkstätte der Sozialisten in Berlin
Foto: Florian Boillot

Getrennt oder vereint?

Wie in den Jahren zuvor war das Erinnern geteilt. Bei der traditionellen Gedenkdemonstration vom Frankfurter Tor im Stadtteil Friedrichshain zum Zentralfriedhof Friedrichsfelde marschierten alte und junge Kommunisten, Aktivisten antifaschistischer Gruppen und Vertreter verschiedener Gliederungen der Partei Die Linke gemeinsam. Andere Menschen zog es direkt zur Gedenkstätte, die ein Teil des Friedhofs ist. Dort wurden von vielen Teilnehmern Kränze und rote Nelken niedergelegt.

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Polizeieinsatz gegen Fahnenträger: Ist die kurdische YPG der Feind? Für Erdogan sicher
Foto: Björn Kietzmann

Auch Spitzenpolitiker der Linkspartei gedachten der von Freikorps-Söldnern umgebrachten Arbeiterführer, darunter die Bundestagsfraktionschefs Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch, die Parteivorsitzenden Katja Kipping und Bernd Riexinger. Auch der ehemalige Parteivorsitzende sowohl von SPD als auch der Linken, Oskar Lafontaine, nahm teil.

Freiheit Andersdenkender

Am 17. Januar 1988 hatten DDR-Oppositionelle versucht, den alljährlichen Demonstrationszug mit Plakaten und Zitaten Rosa Luxemburgs zu medialen Provokationen zu nutzen, nicht zuletzt, weil sie sich der Aufmerksamkeit der westdeutschen Medien sicher sein konnten. Vor allem bedienten sie sich des – aus dem Zusammenhang gerissenen – Luxemburg-Zitats: »Die Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden«. Was das im goldenen Westen heute gilt, machte das Großaufgebot der Polizei deutlich. Mit großer Wucht brachen deren hochgerüstete Beamte in die Massen hinein, um eine »Straftat« zu vereiteln: Zwei Personen hatten nach unterschiedlichen Angaben entweder eine Fahne mit dem Porträt des Kurdenführers Abdullah Öcalan oder der syrisch-kurdischen YPG gezeigt. Die PKK, gilt dem freiheitlichen deutschen Staat weiterhin als »terroristische Vereinigung«. Ein Blick auf die Realität in Anatolien und dem gesamten Nahen Osten macht die Absurdität dieser Aktionen und der dahinterstehenden Gesetze deutlich.


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