Verstärkung im »Hambi«

Tausende zeigen Solidarität mit Besetzern im Hambacher Forst. Weitere Baumhäuser errichtet, neue Aktivisten ziehen ein
Von Manuela Bechert, Buir

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Tatkräftige Unterstützung am Sonntag im Hambacher Forst
Foto: Christophe Gateau/dpa

Der angekündigte Waldspaziergang mit dem Naturführer Michael Zobel im Hambacher Forst war von der Polizei Aachen verboten worden; es sollte lediglich eine Kundgebung am nahegelegenen Kieswerk stattfinden – trotzdem strömten Tausende Menschen am gestrigen Sonntag in den von Rodung bedrohten Hambacher Forst. Die Polizei war in der Unterzahl und wurde der Lage nicht Herr.

Das Verbot des sonntags regelmäßig stattfindenden Waldspaziergangs hatte für Empörung gesorgt: Trotz starkem Regen und Polizeiaufgebot kamen Tausende Menschen. Die Veranstalter sprachen von rund 7.000 Teilnehmern. Die Polizei wollte sich auf keine Zahl festlegen. Dabei war vielen die Anfahrt erschwert worden, weil S-Bahnen und Züge in Richtung Buir nahe des Hambacher Forsts ausfielen. Zusatzzüge wurden von der Bahn nicht angeboten, obwohl im Vorfeld bereits mit 5.000 Menschen gerechnet wurde, die ein Zeichen für den Erhalt des Hambacher Forsts und gegen die Rodung zugunsten des weiteren Braunkohleabbaus durch den Energiekonzern RWE setzen wollten.

Um 11.30 sollte die Veranstaltung am Kieswerk beginnen. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits Tausende Menschen vor Ort. Die Polizei gewährte ihnen jedoch nur sehr beschränkt Zutritt zum Veranstaltungsort und schickte sich an, die Taschen aller Personen auf dem Weg dorthin zu kontrollieren. Etwa zehn Beamte waren abgestellt, um 5.000 Besucher zu durchsuchen. So sollte gewährleistet werden, dass keine »gefährlichen Gegenstände«, Schlafutensilien, Baumaterialien und vor dem Regen schützende Planen mit zu den im Wald lebenden Aktivisten gebracht wurden.

Etwa eine halbe Stunde blieb es ruhig, dann gingen die ersten großen Gruppen über ein Feld in Richtung Wald. Anfänglich versuchte die Polizei noch einzugreifen, schnell war aber klar, dass sie die Dinge nicht in den Griff bekam. So ließ sie die in den Wald strömenden Menschen passieren. Bereits eine Stunde später war er voller Bürger, die ihr Recht auf einen Waldspaziergang durchsetzten. In den noch bestehenden »Baumhausstädten« wurde kräftig mit angepackt. Durch die unkontrollierte Lage konnten zahlreiche neue Barrikaden errichtet werden und sogar neue Plattformen auf den Bäumen entstehen. Ganze Familien solidarisierten sich und schleppten Baumaterialien wie große Stämme und Planen durch den Wald. Hunderte arbeiteten an bereits bestehenden Barrikaden und bauten neue auf.

Gegen 14 Uhr war der »Hambi« gefüllt mit Sympathisanten, die mit dem Ruf »Police go home« die Polizei aus dem Wald drängen wollten. Auch wenn die Beamten sich wesentlich friedlicher zeigten, als es die Aktivisten es in den letzten Tagen gewohnt waren, ging die Polizei mit mit Pfefferspray gegen friedliche Demonstranten vor, die sich langsamen Schrittes auf die Staatsmacht zu bewegten. Der Einsatz richtete sich gegen normale Bürger jeder Altersklasse – es sollen auch Kinder darunter gewesen sein.

Bereits in der Nacht von Samstag auf Sonntag hatten die Waldbesetzer im Hambacher Forst Verstärkung bekommen. Viele neue Aktivisten, die fortan dort bleiben wollen, waren hinzugekommen. Unter der noch recht neuen Baumhausstadt »Kleingartenverein« ist ein komplettes Zeltdorf entstanden. Auch in »Lorien« wurde am Sonntag ein komplett neues Baumhaus gebaut. Offensichtlich sind zahlreiche Menschen gewillt, Widerstand zu leisten und den Hambacher Forst nicht RWE zu überlassen.


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