100 Jahre KPD – Gegen Krieg und Faschismus

Die KPD wurden von Revolutionären gegründet, die zum Teil seit langem gegen imperialistische Kriege gekämpft hatte. Das ist aktuell geblieben. Eine Chronik

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Plakat aus dem Jahr 1919
Foto: Fullangel1/creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en/commons.wikimedia.org/wiki/File:Was_will_Spartakus%3F.jpg

1907

August: Der Kongress der Sozialistischen Internationale in Stuttgart verabschiedet eine von August Bebel, Rosa Luxemburg und Wladimir Iljitsch Lenin maßgeblich entworfene Resolution, in der die Mitgliedsparteien verpflichtet werden, bei drohenden Kriegen gegen die eigenen Regierungen zu kämpfen. Das wird 1912 auf dem Kongress in Basel bekräftigt. Noch während der Julikrise 1914 lehnt die SPD offiziell den Krieg ab und veranstaltet landesweit Großdemonstrationen, verhandelt aber gleichzeitig mit der Regierung über einen »Burgfrieden«.

1914

August: Das kaiserliche Deutschland und Österreich-Ungarn entfesseln den Ersten Weltkrieg. Alle sozialdemokratischen Parteien, außer den russischen Bolschewiki und einigen kleineren Gruppen in Südosteuropa, stellen sich hinter ihre Regierungen. Lenin veröffentlicht im September ein Programm zur Umwandlung des Krieges in Bürgerkrieg und Revolution.

Am 4. August stimmt die SPD-Fraktion im Reichstag den Kriegskrediten zu. Am Abend desselben Tages lädt Rosa Luxemburg in ihrer Berliner Wohnung befreundete Kriegsgegner aus der SPD ein. Daraus entsteht die »Gruppe Internationale«. Sie gibt im März 1915 illegal die einzige Ausgabe der gleichnamigen Zeitschrift heraus und nennt sich ab 1916 »Spartakusgruppe«. Ihre bekanntesten Vertreter, Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, werden 1915 bzw. 1916 inhaftiert. 1917 schließt sich die Gruppe der neugegründeten Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD) an.

1918

3. Oktober: Max von Baden wird zum Reichskanzler ernannt. In sein Kabinett treten auch die SPD-Politiker Philipp Scheidemann und Gustav Bauer ein.

7. Oktober: In Berlin beschließt eine illegal tagende Reichskonferenz der Spartakusgruppe ein Revolutionsprogramm: sofortige Beendigung des Krieges, demokratische Rechte, Arbeiter- und Soldatenräte, sozialistische Revolution.

26. Oktober: Der Reichstag unterstützt die »Revolution von oben« des Kabinetts mit den Stimmen der SPD: »Parlamentarisierung« des kaiserlichen Regimes.

3. November: Mit dem Matrosenaufstand in Kiel beginnt die Revolution. Die Reichsregierung entsendet den SPD-Politiker Gustav Noske, der zwar Verwirrung stiftet, aber nicht verhindern kann, dass die Revolution die Küstenstädte, die Industriezentren Nordwestdeutschlands und schließlich den größten Teil des Reichs erfasst.

9. November: Max von Baden verkündet die Abdankung Kaiser Wilhelms II., der bereits am 29. Oktober aus Berlin geflohen ist.

10. November: Der SPD-Vorsitzende Friedrich Ebert übernimmt die Regierung, die sich »Rat der Volksbeauftragten« nennt. Sie besteht aus drei Mitgliedern der SPD und drei der USPD.

27. November: Karl Liebknecht charakterisiert in einer Rede vor Matrosen in Berlin die deutsche Revolution als Friedens- und bürgerliche Reformbewegung.

6. Dezember: Konterrevolutionärer Putschversuch unter Führung von SPD-Politikern in Berlin und anderen Städten.

10. Dezember: Zur »Befriedung« der Hauptstadt lassen Oberste Heeresleitung und Regierung die erste von konterrevolutionären Offizieren befehligte Gardedivision in Berlin einrücken.

16. Dezember: 250.000 Menschen, vorwiegend Arbeiter, demonstrieren vor dem Tagungsgebäude des Reichsrätekongresses für die Forderungen des Spartakusbundes.

16. bis 20. Dezember: Der unter SPD-Einfluss stehende 1. Reichsrätekongress bestätigt die Übertragung der gesetzgebenden und vollziehenden Gewalt an die »Volksbeauftragten« und wählt (an die Stelle des Vollzugsrates) einen jeder Machtbefugnis beraubten Zentralrat aus Anhängern Eberts und Scheidemanns. Er stimmt der Einberufung einer Nationalversammlung zu und entscheidet damit die Machtfrage zugunsten der Bourgeoisie.

21. Dezember: Massendemonstration in Berlin anlässlich der Beisetzung der Opfer des 6. Dezember.

24. Dezember: Regierungstruppen greifen die Volksmarinedivision in Schloss und Marstall an, werden aber von den Matrosen und herbeigeeilten Arbeitern zurückgeschlagen. Es gelingt jedoch nicht, die Gegenrevolution wirkungsvoll zurückzudrängen. Am 29. Dezember scheiden die USPD-Mitglieder aus dem »Rat der Volksbeauftragten« aus.

29. Dezember: Reichskonferenz des Spartakusbundes in Berlin.

30. Dezember: Die Reichskonferenz des Spartakusbundes konstituiert sich zum Gründungsparteitag der Kommunistischen Partei Deutschlands (30. Dezember 1918 – 1. Januar 1919)

1919

4. bis 13. Januar: Januarkämpfe in Berlin. Die Berliner Arbeiter protestieren in Massendemonstrationen gegen die Absetzung des zum linken Flügel der USPD gehörenden Polizeipräsidenten Emil Eichhorn (1863–1925). Unter dem Oberbefehl Noskes, der sich selbst als »Bluthund« bezeichnet, beginnen konterrevolutionäre Truppen einen Terrorfeldzug gegen das Proletariat der Hauptstadt. Der Arbeiterklasse wird die für den Verlauf der Revolution entscheidende Niederlage zugefügt.

10. Januar bis 4. Februar: Räterepublik in Bremen.

15. Januar: Ermordung Karl Liebknechts und Rosa Luxemburgs durch Noskes Soldateska.
19. Januar: Unter Bedrohung durch konterrevolutionäre Truppen finden die Wahlen zur verfassunggebenden Nationalversammlung statt.

2. bis 6. März: Gründungskongress der Kommunistischen Internationale in Moskau. Als Vertreter der KPD nimmt Hugo Eberlein teil.

10. März: Ermordung des KPD-Führers Leo Jogiches im Untersuchungsgefängnis Berlin-Moabit.

April / Mai: Münchener Räterepublik. Ein Vollzugsrat unter Führung des Kommunisten Eugen Leviné (am 5. Juni 1919 in Stadelheim erschossen) entwaffnet die Bourgeoisie, übernimmt die Verwaltung, nationalisiert die Banken und organisiert eine Produktionskontrolle. Unter dem Oberkommando des Matrosen Rudolf Egelhofer (KPD) wird eine Rote Armee gebildet. Mit der Niederschlagung der Räterepublik endet die letzte Phase der Novemberrevolution.

Weitere Daten aus der KPD-Geschichte:

Januar 1933: Nach der Installierung Adolf Hitlers als Reichskanzler und dem Reichstagsbrand am 27. Februar beginnt eine brutale Kommunistenverfolgung. Von den 300.000 Mitgliedern der KPD überleben nur etwa 150.000 die faschistische Diktatur. Am 3. März wird der KPD-Vorsitzende Ernst Thälmann verhaftet. Auf Befehl Hitlers wird er am 18. August 1944 im Konzentrationslager Buchenwald ermordet.

11. Juni 1945: Die KPD-Führung veröffentlicht einen Aufruf zum Aufbau eines antifaschistisch-demokratischen Deutschlands.

21. April 1946: Vereinigung von KPD und SPD zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED). In den westlichen Besatzungszonen wird der KPD verboten, den geänderten Namen zu tragen. 1949 trennt sie sich organisatorisch von der SED und arbeitet mit einem eigenen Parteivorstand weiter.

23. November 1951: Die Bundesregierung beantragt beim Bundesverfassungsgericht das Verbot der KPD. Gleichzeitig verbietet sie die Freie Deutsche Jugend (FDJ) und andere »kommunistische« Organisationen.

17. August 1956: Die KPD wird verboten. Das Urteil ist bis heute gültig. Es kommt zu etwa 10.000 Verurteilungen und zum Teil jahrelangen Inhaftierungen. Gegen Hunderttausende wird ermittelt.

25. September 1968: Die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) wird gegründet.

8./9. Dezember 1989 und 16./17. Dezember 1989: Ein Sonderparteitag der SED beschließt deren Umbenennung in »Sozialistische Einheitspartei Deutschlands – Partei des Demokratischen Sozialismus« (SED-PDS). Am 4. Februar 1990 wird der Namensbestandteil SED entfernt. Durch Vereinigung mit der WASG entsteht 2007 die Partei Die Linke

8. April 2006: Der 17. Parteitag der DKP beschließt in Duisburg ein neues Parteiprogramm, das das von 1978 ablöst.


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