Archiv für August 2020

Bullen schützen Faschisten

Die Sanitätsgruppe Süd-West e. V. teilte am Sonnabend zum Einsatz bei einer Demonstration gegen Neonazis mit:

Für den Sonnabend hatte die ultrarechte Partei »Die Rechte« zur Demonstration in Ingelheim aufgerufen. Nur eine Handvoll Demonstranten folgte dieser Einladung. Die Sanitätsgruppe Süd-West e. V. sicherte die Gegenproteste ab, an denen deutlich mehr Menschen teilnahmen. Die Polizei war mit einem Großaufgebot um den Bahnhof Ingelheim im Einsatz. Bereits kurz nach Ankunft der im Zug Anreisenden gingen die Beamten mit Pfefferspray gegen Teilnehmende der Gegenproteste vor, um diese zur Kundgebung in der Nähe des Bahnhofs zu treiben und sie dort geschlossen über den ganzen Nachmittag festzusetzen. Der Kundgebungsort war dafür bereits vorher mit Absperrungen präpariert worden. Im Verlauf dieser Ingewahrsamnahme setzte die Polizei mehrfach Pfefferspray und Schlagstock gegen Versammlungsteilnehmer ein. Dabei überrannte die Polizei auch eine deutlich erkennbare Verletztenablage des Sanitätsdienstes, trat medizinisches Material durch die Gegend und bedrohte unsere Sanitätskräfte mit dem Schlagstock. Auch wenn sich die Polizei ansonsten unseren Einsatzkräften gegenüber weitgehend kooperativ zeigte, kritisieren wir diesen Angriff auf uns aufs schärfste.

Insgesamt mussten unsere Sanitäterinnen und Sanitäter 116 Verletzte versorgen, die meisten aufgrund des Einsatzes von Pfefferspray (90 Versorgungen). Bemerkenswert ist die hohe Zahl von Panikattacken. Während eine LED-Anzeige am Polizeifahrzeug dazu aufforderte, 1,5 Meter Abstand zu halten, wurde der Raum für die Demonstranten immer enger und die Brutalität der Polizeimaßnahmen trug zu Traumatisierungen bei, die von unserem Team für psychosoziale Notfallversorgung behandelt werden mussten (zwölf Behandlungen). Wir zählten insgesamt 13 chirurgische Patienten und eine internistische Versorgung. Von einer hohen Dunkelziffer ist auszugehen.